Montagmorgen.
Der Betrieb läuft. Irgendwie.
Menschen kommen pünktlich, erledigen ihre Aufgaben, reagieren auf Kunden, Maschinen, E-Mails oder Reklamationen. Von außen betrachtet wirkt alles stabil. Von innen fühlt es sich anders an.
Viele Mitarbeiter würden es ähnlich beschreiben:
Nicht überfordert. Nicht unwillig.
Sondern müde.
Müde von immer neuen Ansätzen, die versprechen, alles besser zu machen.
Müde von Maßnahmen, die starten und leise wieder verschwinden.
Müde von Veränderungen, die zusätzliche Arbeit bringen, aber kaum Entlastung.
Dabei ist kaum jemand grundsätzlich gegen Verbesserung.
Im Gegenteil:
Die meisten Mitarbeiter wissen sehr genau, wo es hakt.
Sie erleben täglich doppelte Wege, unnötige Abstimmungen, unklare Zuständigkeiten. Sie wissen, welche Abläufe Kunden nerven und welche internen Regeln mehr schaden als helfen.
Das Problem ist selten der Wille zur Verbesserung.
Das Problem ist die Erfahrung.
Die Erfahrung, dass Verbesserung oft etwas ist, das über sie kommt, nicht mit ihnen entsteht.
Die Erfahrung, dass gefragt wird aber sich nichts ändert.
Oder dass sich etwas ändert, ohne dass jemand erklärt, warum.
So entsteht ein innerer Abstand.
Kein offener Widerstand. Kein Streit.
Eher ein stilles Zurücklehnen.
„Wir machen das schon mit… aber erwarten lieber nichts mehr.“
Diese Haltung ist gefährlich. Nicht laut, nicht dramatisch. Aber wirkungsvoll.
Denn Organisationen leben nicht von Konzepten, sondern von Beteiligung.
Und hier beginnt die eigentliche Führungsfrage.
Nicht:
Warum ziehen die Mitarbeiter nicht mit?
Sondern:
Welche Erfahrungen haben sie bisher mit Veränderung gemacht?
In vielen Unternehmen, unabhängig von Branche oder Größe, wurde Verbesserung lange Zeit mit Druck verwechselt. Schneller, günstiger, mehr. Gut gemeint, aber selten gut begleitet.
Führungskräfte stehen dabei oft selbst unter enormem Druck.
Zwischen Kennzahlen, Personalmangel, Erwartungen von oben und dem täglichen Betrieb bleibt wenig Raum für echte Führung. Noch weniger für Reflexion.
Das führt zu einem paradoxen Zustand:
Alle wissen, dass sich etwas ändern muss.
Aber kaum jemand glaubt noch daran, dass es diesmal anders läuft.
Diese Müdigkeit ist kein Zeichen von Faulheit.
Sie ist ein Zeichen von Erfahrung.
Und genau hier entscheidet sich, ob Führung alte Muster wiederholt
oder ob sie beginnt, zuzuhören, bevor sie gestaltet.
In den nächsten Beiträgen schauen wir genauer hin:
auf Führungskräfte, die zwischen Anspruch und Realität stehen,
auf Mitarbeiter, die mehr beitragen könnten, als sie dürfen,
und auf Verbesserungsarbeit, die entweder Energie freisetzt oder Energie verbraucht.
Nicht als Anleitung.
Sondern als ehrliche Geschichte aus dem Unternehmensalltag.