Mitarbeitergespräche ohne Substanz

Mitarbeitergespräche im Standardmodus

Warum viele Mitarbeitergespräche keinen echten Mehrwert bringen

„Morgen habe ich mein Mitarbeitergespräch.“ Diesen Satz hört man in vielen Unternehmen. Die Reaktionen darauf sind allerdings selten Begeisterung. Viele Mitarbeiter sehen es als Pflichttermin. Viele Führungskräfte ebenfalls. Und genau da beginnt das Problem. Ein Mitarbeitergespräch ist kein Pflichtprogramm der Personalabteilung. Es ist auch kein Formular, das einmal im Jahr ausgefüllt werden muss. Es ist eine Chance. Eine Chance, offen über Erwartungen, Zusammenarbeit, Probleme und Entwicklung zu sprechen. Trotzdem laufen viele Gespräche immer gleich ab. Die Führungskraft fragt: „Wie läuft es?“ Der Mitarbeiter antwortet: „Gut.“ Man spricht kurz über das vergangene Jahr, vereinbart ein paar Ziele und verabschiedet sich wieder. Ein Jahr später beginnt das gleiche Spiel von vorne.

So verändert sich nichts.

Natürlich tragen Führungskräfte eine große Verantwortung. Wer unvorbereitet in ein Mitarbeitergespräch geht, nur Standardfragen stellt oder vereinbarte Maßnahmen später nicht umsetzt, darf sich über mangelnde Motivation nicht wundern. Aber genauso einfach wäre es, jetzt die Schuld ausschließlich den Führungskräften zuzuschieben. 

Auch Mitarbeiter tragen Verantwortung

Wer das Gespräch nur absitzt, Kritik verschweigt, Verbesserungsvorschläge für sich behält oder bei jeder Frage nur mit „Passt schon.“ antwortet, verschenkt ebenfalls eine große Chance.

Ein gutes Mitarbeitergespräch lebt von Offenheit, Ehrlichkeit und manchmal auch von unbequemen Themen. Genau davor drücken sich aber viele. Die Führungskraft möchte keinen Konflikt. Der Mitarbeiter möchte niemandem auf die Füße treten. Also bleibt alles beim Alten. Dabei entstehen viele Probleme genau deshalb. Missverständnisse werden nicht angesprochen. Unzufriedenheit wächst. Erwartungen bleiben unausgesprochen. Fehler wiederholen sich immer wieder. 

Und irgendwann wundern sich beide Seiten, warum die Zusammenarbeit nicht besser wird.

Ein Mitarbeitergespräch darf deshalb kein Rückblick sein, der nach einer Stunde wieder vergessen wird. Es muss Auswirkungen auf den Arbeitsalltag haben. Vereinbarungen müssen umgesetzt werden. Probleme müssen gelöst werden. Entwicklung muss begleitet werden. Erst dann wird aus einem Mitarbeitergespräch ein Führungsinstrument. Alles andere ist Beschäftigung. Wer gute Mitarbeitergespräche führen möchte, braucht keine komplizierten Formulare. Er braucht Vorbereitung. Die Bereitschaft zuzuhören. Den Mut, auch kritische Themen anzusprechen. Und den Willen, anschließend konsequent zu handeln. Genau das macht den Unterschied.

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