In vielen Unternehmen wird Führung noch immer mit Kontrolle verwechselt.

Je größer die Verantwortung einer Führungskraft wird, desto mehr Berichte, Kennzahlen, Checklisten und Freigaben entstehen. Alles soll nachvollziehbar sein. Alles soll überprüft werden können. Alles soll abgesichert werden.

Das klingt zunächst vernünftig. Doch genau hier beginnt häufig ein Problem. Denn Kontrolle ersetzt keine Führung.

Wir erleben in Unternehmen immer wieder, dass Führungskräfte einen Großteil ihrer Zeit damit verbringen, Ergebnisse zu kontrollieren, Abweichungen zu verfolgen oder Fehler zu dokumentieren. Gleichzeitig bleibt immer weniger Zeit für die eigentlichen Führungsaufgaben. Für Gespräche mit Mitarbeitern, für die Entwicklung von Mitarbeitern, für die Verbesserung von Prozessen, für die Lösung von Ursachen statt Symptomen, für die Zukunft des eigenen Bereichs.

Kontrolle wird dabei oft zur Hauptaufgabe, obwohl sie eigentlich nur ein Hilfsmittel sein sollte.

Natürlich hat Kontrolle ihre Berechtigung. Unternehmen benötigen Kontrollen, um Qualität sicherzustellen, gesetzliche Vorgaben einzuhalten oder wirtschaftliche Risiken zu begrenzen. Und insbesondere im Bereich Arbeitssicherheit sind Kontrollen unverzichtbar. Hier geht es um den Schutz von Menschen. Wer Arbeitssicherheit nicht kontrolliert, handelt fahrlässig. In diesem Bereich sind Kontrollen zwingend notwendig.

Das Problem entsteht dort, wo Kontrolle zur dominierenden Führungsmethode wird.

Denn Mitarbeiter merken sehr schnell, ob eine Führungskraft führt oder überwacht. Wer ständig kontrolliert wird, übernimmt seltener Verantwortung. Wer ständig überprüft wird, trifft weniger eigene Entscheidungen. Wer ständig nachweisen muss, dass er seine Arbeit erledigt hat, konzentriert sich irgendwann stärker auf die Dokumentation als auf die eigentliche Aufgabe.

Kontrolle sendet immer auch eine Botschaft. Und diese Botschaft lautet häufig: Ich vertraue dir nicht vollständig.“

Selbst dann, wenn die Führungskraft das gar nicht beabsichtigt. Die Auswirkungen sind in vielen Unternehmen sichtbar. Motivation sinkt, Eigeninitiative geht verloren, Mitarbeiter bringen weniger Ideen ein und meistens wird Verantwortung nach oben abgegeben. Warum sollte jemand Verantwortung übernehmen, wenn am Ende ohnehin alles kontrolliert, hinterfragt oder korrigiert wird?

Besonders kritisch wird es, wenn Kontrolle zum Ersatz für fehlende Führung wird.

Manche Führungskräfte glauben, sie hätten ihren Job erfüllt, wenn ausreichend kontrolliert wurde. Doch Führung entsteht nicht durch Berichte, Kennzahlen oder Statusabfragen. 

        • Kontrolle kann sichtbar machen, was passiert.
        • Führung entscheidet darüber, warum es passiert und wie Menschen damit umgehen.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Wir beobachten häufig, dass Unternehmen immer mehr Energie in Kontrollsysteme investieren, während die Entwicklung ihrer Führungskräfte zu kurz kommt. Die Folge sind Organisationen, die immer mehr messen, dokumentieren und überwachen, ohne dadurch automatisch erfolgreicher zu werden. Kontrolle kann Fehler sichtbar machen. Sie kann Risiken reduzieren. Sie kann Sicherheit schaffen. Aber Kontrolle wird niemals Führung ersetzen.

Gute Ergebnisse entstehen nicht durch mehr Kontrolle. Sie entstehen durch kompetente Menschen, klare Kommunikation, wirksame Führung und funktionierende Zusammenarbeit.

 


 

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