Es gibt Situationen im Unternehmen, in denen Führungskräfte Entscheidungen treffen müssen, die eigentlich längst nicht mehr auf ihrem Tisch liegen sollten. Nicht, weil sie ihren Mitarbeitern keine Verantwortung übertragen wollen. Sondern weil Mitarbeiter, die fachlich und persönlich durchaus in der Lage wären zu entscheiden, ihre Verantwortung nach oben geben.
Dann kommen Fragen zur Führungskraft, die eigentlich im eigenen Verantwortungsbereich beantwortet werden könnten. Entscheidungen werden weitergegeben, obwohl der Mitarbeiter die notwendigen Informationen, Erfahrungen und Kompetenzen besitzt. Es wird eskaliert, statt entschieden.
Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht unproblematisch. Die Führungskraft kennt schließlich die Situation und kann schnell eine Entscheidung treffen. Doch wenn sich dieses Verhalten wiederholt, entsteht ein Muster. Die Führungskraft wird immer stärker in das Tagesgeschäft gezogen, während die Mitarbeiter zunehmend darauf warten, dass jemand anderes entscheidet.

Dabei stellt sich eine wichtige Frage: Warum treffen erfahrene und befähigte Mitarbeiter keine Entscheidungen?
Liegt es daran, dass sie negative Erfahrungen gemacht haben? Wurden frühere Entscheidungen ständig korrigiert oder kritisiert? Haben sie das Gefühl, für eine falsche Entscheidung bestraft zu werden? Fehlt ihnen der notwendige Handlungsspielraum oder ist die Erwartungshaltung an ihre Verantwortung nie wirklich klar gewesen?
Manchmal steckt aber auch etwas ganz anderes dahinter. Vielleicht ist es bequemer, die Entscheidung nach oben zu geben. Denn wer nicht entscheidet, kann auch nicht für die Folgen verantwortlich gemacht werden. Die Verantwortung liegt dann bei der Führungskraft.
Genau hier wird die Rolle der Führungskraft entscheidend. Denn wenn erfahrene Mitarbeiter regelmäßig eskalieren, statt selbst zu entscheiden, sollte nicht jede Entscheidung einfach übernommen werden. Ebenso wenig reicht es aus, den Mitarbeiter lediglich aufzufordern, künftig selbstständiger zu handeln.
Eine Führungskraft sollte verstehen wollen, was hinter diesem Verhalten steckt. Denn nur wer die tatsächliche Ursache erkennt, kann beurteilen, ob es sich um Unsicherheit, fehlende Klarheit, frühere Erfahrungen oder schlicht um ein gelerntes Verhalten handelt.
Verantwortung entsteht nicht dadurch, dass sie irgendwo auf einem Organigramm oder in einer Stellenbeschreibung steht. Sie zeigt sich im täglichen Handeln. Und manchmal zeigt sich gerade dann, dass etwas nicht stimmt, wenn erfahrene Mitarbeiter lieber fragen, statt zu entscheiden.
Für Führungskräfte ist das ein wichtiger Moment. Denn es geht nicht nur um die einzelne Entscheidung. Es geht um die Frage, wie Verantwortung im Unternehmen tatsächlich gelebt wird.
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