Befugnisse unklar - Leistung blockiert

In vielen Unternehmen wird über Leistung gesprochen. Über Motivation. Über Eigenverantwortung. Über unternehmerisches Denken. Über schnelle Entscheidungen. Über Veränderungsbereitschaft.

Doch nur selten wird über eine Frage gesprochen, die all diese Themen beeinflusst:

Wer darf eigentlich was entscheiden? Denn genau hier beginnt oft das eigentliche Problem. Nicht bei den Menschen. Sondern im System.

Fast jeder kennt diese Situation: Eine Maschine steht, ein Kunde wartet auf eine Rückmeldung. Ein Prozess funktioniert offensichtlich nicht. Die Ursache ist längst bekannt. Auch die Lösung liegt auf dem Tisch denn die Menschen vor Ort sehen das Problem täglich. Sie wissen oft besser als jeder andere, was getan werden müsste.

Trotzdem passiert nichts. Nicht heute. Vielleicht auch nicht morgen. Denn plötzlich geht es nicht mehr um die Lösung. Es geht um Zuständigkeiten.

  • Wer darf entscheiden?
  • Wer muss informiert werden?
  • Wer muss zustimmen?
  • Wer trägt am Ende die Verantwortung?

Also wird eine E Mail geschrieben. Dann wird das Thema in die nächste Besprechung verschoben, dort entsteht die nächste Frage. Jemand möchte erst die Meinung einer anderen Abteilung hören. Ein anderer möchte die Entscheidung mit seinem Vorgesetzten abstimmen. Wieder jemand anderes sieht Risiken und fordert weitere Informationen.

Währenddessen läuft die Zeit und die Mitarbeiter arbeiten weiter um das Problem herum.

  • Sie entwickeln Behelfslösungen.
  • Sie kompensieren Schwächen im System.
  • Sie investieren Energie in Abstimmungen statt in Wertschöpfung.
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Und nach einigen Wochen erinnert sich kaum noch jemand daran, dass die eigentliche Lösung bereits am ersten Tag bekannt war.

Genau das ist die Realität in vielen Unternehmen.

Nicht fehlendes Wissen verhindert Leistung, nicht fehlende Motivation und auch nicht fehlende Kompetenz. Oft scheitert Umsetzung schlicht daran, dass niemand klar sagen kann, wer entscheiden darf.

Interessanterweise wird anschließend häufig über fehlende Eigenverantwortung diskutiert. Dabei haben viele Mitarbeiter im Laufe ihrer Berufsjahre etwas anderes gelernt:

  • Wer ohne ausreichende Befugnisse entscheidet, riskiert Kritik.
  • Wer eine Freigabe abwartet, bewegt sich auf sicherem Terrain.
  • Wer jede Entscheidung absichert, macht selten etwas falsch.
  • Wer Verantwortung übernehmen möchte, lernt schnell die Grenzen seines Handlungsspielraums kennen.

Nach einiger Zeit entsteht daraus ein Verhalten, das von außen oft als mangelndes Engagement interpretiert wird. In Wirklichkeit handelt es sich häufig um eine logische Anpassung an das bestehende System. Besonders deutlich wird das im mittleren Management. Führungskräfte sollen Ergebnisse liefern. Sie sollen Kosten reduzieren, Qualität sichern, Termine einhalten, Mitarbeiter entwickeln und Veränderungen umsetzen.

Gleichzeitig dürfen sie viele Entscheidungen nicht selbst treffen. Denn:

  • Für Investitionen braucht es Freigaben.
  • Für organisatorische Veränderungen braucht es Zustimmung.
  • Für Personalentscheidungen braucht es weitere Abstimmungen.
  • Für zahlreiche Themen braucht es Besprechungen, Eskalationen und Genehmigungsschleifen.

Am Ende tragen sie die Verantwortung für Ergebnisse, die sie nur begrenzt beeinflussen können. Wer Verantwortung trägt, aber nicht entscheiden darf, wird irgendwann zum Koordinator von Abstimmungen aber nicht zur Führungskraft.

Der Widerspruch dahinter ist erstaunlich einfach:

  • Verantwortung wird übertragen. Entscheidungen werden vorbehalten.

Menschen sollen Probleme lösen, sie sollen Ziele erreichen, Verbesserungen umsetzen und sie sollen Verantwortung übernehmen. Doch sobald eine Entscheidung getroffen werden muss, beginnt die Suche nach einer Zustimmung. Das Ergebnis ist vorhersehbar.

  • Entscheidungen werden langsamer.
  • Probleme bleiben länger bestehen.
  • Mitarbeiter verlieren die Lust, sich einzubringen.
  • Führungskräfte verlieren Zeit mit Abstimmungen.

Und die Organisation wundert sich über mangelnde Geschwindigkeit. Dabei ist die eigentliche Ursache oft offensichtlich. Menschen können nur dort Verantwortung übernehmen, wo sie auch handeln dürfen. Verantwortung ohne die notwendigen Befugnisse ist keine echte Verantwortung. Es ist lediglich die Erwartung, für Ergebnisse einzustehen, ohne die notwendigen Einflussmöglichkeiten zu besitzen.

Deshalb lohnt sich eine einfache Frage:

  • Sind in Ihrem Unternehmen Verantwortlichkeiten und Befugnisse wirklich deckungsgleich? Oder erwarten Sie Ergebnisse von Menschen, denen die notwendigen Entscheidungsräume fehlen?

Leistungsfähige Organisationen zeichnen sich nicht dadurch aus, dass jede Entscheidung mehrfach abgesichert wird. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass Menschen wissen, wofür sie verantwortlich sind und welche Entscheidungen sie selbst treffen dürfen. Dort entstehen Geschwindigkeit, Verantwortungsübernahme und Verbesserung. Nicht weil die Mitarbeiter besser sind. Sondern weil das System sie arbeiten lässt.

Unser Fazit

Wenn Leistung hinter den Erwartungen zurückbleibt, lohnt sich der Blick auf die Organisation. Auf Rollen, Verantwortlichkeiten und auf Befugnisse. Denn häufig liegt das Problem nicht in der Motivation der Menschen. Sondern in Strukturen, die Entscheidungen unnötig erschweren.

Vielleicht lautet die wichtigere Frage nicht:

  • Warum übernehmen Menschen keine Verantwortung?

Sondern:

  • Haben wir ihnen überhaupt die Befugnisse gegeben, Verantwortung zu übernehmen?

Wenn Sie erfahren möchten, wie Verantwortlichkeiten, Befugnisse und Führung wirksam gestaltet werden können, freuen sich JEHK LeanVision und das Ingenieurbüro Klein (IBK) auf den Austausch mit Ihnen.

Denn Leistung entsteht dort, wo Menschen entscheiden dürfen.